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Wir brauchen nachhaltigere und regionale Baustoffe

Der CO2-Fußabdruck beschäftigt die heimische Bauindustrie so intensiv wie nie zuvor. Die Politik hat die ökologischen Eigenschaften von Holz erkannt und fördert daher dessen Einsatz im Bau. Nun ist es auch an der Zeit, den nächsten Schritt bei mineralischen Stoffen zu setzen.

 

Wenigen von uns ist Holzbeton ein Begriff, er ist außerhalb von Fachkreisen der Bauindustrie in Salzburg und Kärnten kaum bekannt. Das ist umso verwunderlicher, weist er doch ausgezeichnete Eigenschaften im Bereich Wärmedämmung und Schallschutz auf und kombiniert diese mit Nachhaltigkeit. Als Verbund von Beton und Holz wird er beispielsweise regional hergestellt, ist fast zu 100 Prozent recycelbar und speichert darüber hinaus auch noch Kohlenstoff. In den beiden Bundesländern beträgt der Anteil von Holzbeton am geförderten Wohnbau mittlerweile fast 60 Prozent. Im heurigen Sommer hat sich Salzburg als bisher einziges Bundesland dazu entschlossen, die Förderung dieses regional hergestellten und nachhaltigen Baustoffs zu erhöhen.

Ja, auch mineralische Baustoffe können nachhaltig sein. Derzeit steht der Einsatz von Holz beziehungsweise von Massivholz im Zentrum der Bemühungen, ökologisches Bauen verstärkt zu fördern. Der ausgerufene Waldfonds der Bundesregierung in Höhe von 350 Millionen Euro ist nur ein aktuelles Beispiel dafür. Eine derart massive Unterstützung zur CO2-Reduktion bei den mineralischen Baustoffen findet man hingegen nicht. Deswegen dürfen diese Baumaterialien in der Diskussion um die Förderung von nachhaltigem Bauen nicht fehlen.

Ein Aspekt in diesem Zusammenhang ist ihre Recyclingfähigkeit: In Österreich fallen beispielsweise Jahr für Jahr rund drei Millionen Tonnen Altbeton an - dieser wird bereits zu mehr als 90 Prozent recycelt. Auch Holzbeton kann beinahe vollständig recycelt werden, was ein aktuelles Forschungsprojekt unter der Federführung der Salzburg Wohnbau gezeigt hat. Dazu stellt die lange Lebensdauer von Objekten aus mineralischen Baustoffen, die in der Regel gut 100 oder mehr Jahre ihre Funktion erfüllen, einen gerne vernachlässigten Nachhaltigkeitsvorteil dar.

Der zweite Aspekt ist die regionale Produktion: Österreich ist weiterhin in der Lage, den Bedarf an mineralischen Rohstoffen selbst zu decken. Sand, Kies oder Kalkstein sind Rohstoffe, bei denen durch die regionale Verarbeitung Transportkosten und der damit verbundene CO2-Fußabdruck größtenteils entfallen.

Das Nachhaltigkeitsbild bei den meistgenutzten Baumaterialien ist also keinesfalls nur schwarz-weiß.

Klar ist, dass sowohl Holz als auch mineralische Baustoffe wie Beton oder Ziegel ein ökologisches Potenzial aufweisen, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Hier muss die heimische Förderungspolitik ansetzen und genau diese Aspekte genauer unter die Lupe nehmen. Konkret kann der geförderte Einsatz von Holzbeton in Salzburg in diesem Zusammenhang als wichtiger Vorstoß gewertet werden und für andere Bundesländer beispielgebend sein.

Wiener Zeitung, vom 15.11.2021 Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/ gastkommentare

Anton Pech ist Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen, gerichtlich beeidigter Sachverständiger, TU- und FH-Lektor sowie Fachbuchautor und -herausgeber. - © privat